Nach zahllosen Veröffentlichungen im Bereich der Fachliteratur hat der 1936 in Bautzen geborene, viele Jahre als Dozent an der Universität Leipzig lehrende Historiker Hartmut Zwahr die Belletristik für sich entdeckt. „Leipzig – Studentenroman“ ist der zweite von insgesamt vier geplanten Bänden, die die autobiografisch geprägte Lebensgeschichte des Protagonisten Johannes von der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen bis in die Gegenwart wiedergeben. Obwohl es sich um die direkte Fortsetzung des im vergangenen Jahr erschienenen Debüts „Abschiednehmen – Lausitzroman“ handelt, erschließt sich dem Leser das Geschehen auch ohne dessen Lektüre.

Einmal Schlesien – und zurück?

Mittwoch, 27. März 2019 geschrieben von:

Mit „Schlesische Metamorphosen“ – einem Buch über Görlitz! – wagt sich der Domowina-Verlag ins Hinterland jenseits der Berge des Limas, die die Ostgrenze des Milzenerlandes bilden. Dennoch bewegt sich die ethnologische Dissertationsschrift von Robert Lorenz in vertrauten Gefilden. Weder die Stadt an der Landeskrone, wo der Autor mehrere Monate als Stadtseelenforscher verbrachte, ist angesichts ihrer (scheinbaren?) Nähe eine Unbekannte, noch die Suche nach – und das Basteln an – der eigenen Identität.

Die Angst als Unwille sich festzulegen

Mittwoch, 27. Februar 2019 geschrieben von:

Oftmals führt das Aufzählen diverser Refe­renzen im Zusammenhang mit neu erscheinenden Tonträgern bei bemusterten Rezensenten zu erhöhter Wachsamkeit. Stets steht der Verdacht im Raum, mittels des neudeutsch so genannten Namedroppings soll vom eigentlichen Inhalt abgelenkt werden. Ob also Maik Krahl tatsächlich der „talentierteste Trompeter seiner Generation“ ist, kann der Autor dieser Zeilen weder bestätigen noch dementieren. Dennoch besteht angesichts dieses Zitats von Till Brönner, möglicherweise der Kapazität des deutschen Jazz, kein Grund zur Besorgnis. Zweifelsohne ist Maik Krahl ein Meister seines Fachs, der nun das überzeugende Debüt des nach ihm benannten Quartetts vorgelegt hat.

Zu Beginn dieses Jahres erschien im Domowina-Verlag unter dem Titel „Leben im Zwiespalt 1“ der erste Teil der biografischen Sammlung von Benedikt Dyrlich in deutscher Sprache. Chronologisch zeichnet der zu den führenden zwei­sprachigen Schriftstellern unserer Zeit zählende Autor seinen Lebensweg anhand von Tagebucheinträgen, Briefen, journalistischen Beiträgen von ihm und über ihn sowie diversen Dokumenten amtlicher Natur beginnend im Jahre 1964 nach. Im Original sorbische Texte wurden von Dietrich Scholze ins Deutsche übertragen.

Museale Kostbarkeiten aus über acht Jahrhunderten

Donnerstag, 27. Dezember 2018 geschrieben von:

Der unlängst erschienene Katalog „Achtzig Schätze der städtischen Sammlungen Kamenz“, zugleich der achte Band der Publikationsreihe der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, vermittelt einen repräsentativen Überblick der in der Lessingstadt zugänglichen Objekte materieller Kunst und Kultur.­ Erstmals sind somit die bedeutendsten Gemälde, Schriften, Plastiken, Skulpturen, Medaillen, Druckerzeugnisse, Retabeln und sogar Kostüme sowie sonstige Güter, die die kommunalen Museen der Stadt sowie das Stadtarchiv aufbewahren, in einem nahezu als Fo­liant zu bezeichnenden Einzelwerk gemeinsam abgebildet.

Lebendiges Mittelalter im Museum

Mittwoch, 28. November 2018 geschrieben von:

Die aktuelle Sonderausstellung des Bautzener Sorbischen Museums behandelt unter der Überschrift „Geheimnisvolle Vorfahren – Lebensbilder der Lusizer und Milzener“ das Leben der Bewohner der Lausitz im frühen Mittelalter. Die mehr als 400 ausgestellten Objekte sind dabei zwei die Exposition definierenden Kategorien zugeordnet.

Nestor der neuen sorbischen Musik

Mittwoch, 24. Oktober 2018 geschrieben von:

Der bedeutende sorbische Komponist und Musikwissenschaftler Dr. Jan Raupp hätte am 17. November seinen 90. Geburtstag gefeiert. Aus diesem Anlass veranstalten an diesem Tag der ENA-Musikverlag und die wissenschaftlich-kulturelle Vereinigung Maćica Serbska gemeinsam mit dem Sorbischen National- Ensemble um 16.30 Uhr ein besonderes Gedenkkonzert im Bautzener Sorbischen Museum. Neben dem Chor des SNE unter der Leitung der Intendantin Judith Kubitz wollen sich unter anderem die Solisten Romy Petrick (Sopran) und Mikołaj Jan Walerych (Tenor), Liana Bertók am Flügel sowie Kinder und Jugendliche, darunter Preisträger des diesjährigen Talentwettbewerbs des SNE, ganz dem Schaffen Raupps widmen. Jurij Wuschansky wird das Konzert moderieren. Im Mittelpunkt steht Raupps kammermusikalisches und vokales Werk. Zu den Kompositionen, die erklingen sollen, zählen zum Beispiel „Variationen für Violine und Klavier“, „Słowjanska reja – Slawischer Tanz“ für Klavier zu vier Händen und der Liedzyklus „Brězow (Blösa)“ für Sopran und Klavier.

Vielseitige Künstlerin mit Jubiläum

Mittwoch, 26. September 2018 geschrieben von:

Eva Ursula Lange hat in den zurückliegenden beinahe 70 Jahren wie kaum eine andere die sorbische bildende Kunst geprägt. Nach ihrer Ausbildung zur Töpferin in Görlitz studierte sie zunächst an der Hochschule für angewandte Kunst in Prag und anschließend an der Hochschule für Grafik und Buchkunst zu Leipzig, wo sie ihre akademische Qualifikation im Jahre 1956 mit dem Diplom abschloss. Zwei Jahren als Gestalterin am Verlag Volk und Wissen Berlin folgten vier weitere in diesem Beruf im Domowina-Verlag Bautzen. Danach wirkte sie freischaffend und verlieh unzähligen Büchern, Plakaten sowie zunehmend auch Alltagsgegenständen ihren unverkennbaren Charakter. Ihr Schaffen umfasst darüber hinaus Aquarelle und Ölgemälde, Zeichnungen sowie Ornamentik auf unterschiedlichen Stoffen. Besonders bekannt sind ihre Werke in den Bereichen Kalligraphie und Keramik.

Durch die Augen eines Kindes

Mittwoch, 29. August 2018 geschrieben von:

Trotz des derzeit eher rückläufigen Interesses am klassischen Buch erscheint Monat für Monat eine schier unüberschaubare Anzahl an Publikationen. Umso bemerkenswerter in diesem Zusammenhang sind jene Enthusiasten, die ihre­ Werke auf eigene Kosten selbst verlegen und versuchen, sie dem Leser mit im Vergleich bescheidenem Werbeaufwand nahezulegen. „Katta – Lausitzer Kindheitsgeschichten“, das Debüt von Hagen P. Kaden, gehört in diese Kategorie. Warum sich kein Verlag dazu bereit erklärt hat, es unter seinem Dach zu veröffentlichen, ist genauso unverständlich wie nachvollziehbar: Einerseits beinhaltet das Buch teils äußerst detaillierte Geschich­ten aus dem Alltag in der DDR kurz nach ihrer Gründung, andererseits spielen diese in einem sehr spezifischen, lokalen Rahmen.

In der Bautzener Galerie Budissin ist derzeit die Ausstellung „Neuentdeckte Fotografie“ mit Bildern von Evelyn Richter zu sehen. Die bislang noch nie gezeigten Werke entstanden zwischen den Jahren 2002 und 2012 in Russland, England, Rumänien, Italien und den USA. Schwerpunkte sind Studien an verschiedensten Orten mit lesenden Menschen, künstlerische Dokumentationen der Rituale von Passagieren der Moskauer Metro sowie mittels Spiegelung erzeugte, teils verzerrte Selbstporträts.

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