Präsentation zeugt vom großen Talent

srjeda, 26. julija 2017 spisane wot:

Für Liebhaber der bildenden Kunst bietet seit dem 30. Juni die Carl-Lohse-Galerie in Bischofswerda eine interessante Ausstellung. Sie zeigt Werke des 2001 verstorbenen Grafikers, Typografen und Malers Joachim Bethmann. 1942 wurde der Künstler in Berlin geboren. Er war verantwortlicher Grafiker bei der bekannten Zeitung „Forum“, die wegen ihrer politisch-kritischen Haltung verboten wurde. Ab 1988 bis zu seinem Tod arbeitete Bethmann als künstlerischer Leiter im Domowina-Verlag in Bautzen.

Bethmanns Kunstwerke – Malerei, Grafik, Buchgestaltung und Plakate – können nun in drei Räumen in Bischofswerda bewundert werden. Die Exposition hat seine Gattin aus dem Nachlass zusammengestellt.

„Derjenige aber, der dieses Märchen erzählt, hat noch einen warmen Mund.“ So endet das Märchen vom Schneider und den zwölf Riesen. Aber es könnte noch weiter oder anders erzählt werden, wie es auf der Ofenbank früher üblich war. Hana Chěžcyna, eine bekannte sorbische Märchenerzählerin, hat ihre Enkelin schon früh in die fantasievoll-schaurige Wunderwelt mitgenommen. Nun hat Róža Domašcyna für den Domowina-Verlag sorbische Märchen der Großmutter und anderer Erzähler ins Deutsche übertragen und sie mit frischer Sprachfarbe bemalt. „Märchen sind grenzenlos und sie kennen keine Grenzen.“ Nicht einmal sprachliche, so scheint es, wenn Krasnodej, Kienpeter und Pan Hibschik ihr Wesen entfalten oder die alte Wjera und Zyketaruschk ihr Unwesen treiben.

Das Sorbische Museum in Bautzen widmet sich in seiner aktuellen Sonderausstellung „Fünf Jahrhunderte – Die Sorben und die Reformation“ den sorbischen Protestanten in der Lausitz. Dabei wird direkt zu Beginn das Stereotyp, dass alle Sorben katholisch seien, ausgeräumt. Rund 90 Prozent der Sorben wandten sich im Laufe des ersten Jahrhunderts nach Luthers Thesenanschlag dem evangelisch-lutherischen Glauben zu. Noch heute sind Protestanten deutlich in der Mehrheit.

Hoyerswerda. „Die jetzige Generation sorbischer Eltern nutzt verstärkt ursorbische, traditionelle Vornamen“, meint Sprachwissenschaftler und Historiker Dr. Timo Meškank, Privatdozent am Institut für Sorabistik der Universität Leipzig. Nach einem Jahr Recherchen erstellte er jetzt das obersorbisch-niedersorbisch-deutsche Lexikon „Serbske předmjena. Serbske pśedmjenja. Sorbische/Wendische Vornamen“. Erstmals liegt damit ein autorisiertes, fachlich fundiertes Nachschlagewerk mit über 1 200 Vornamen vor. Herausgeber ist das WITAJ-Sprachzentrum Bautzen. Finanzielle Förderung kam durch die Stiftung für das sorbische Volk. Mit der Auflage von 300 Exemplaren geht die Broschüre jetzt an sämtliche Standesämter und Geburtskliniken in der Ober- und Niederlausitz. Auch Kindergärten, Grundschulen, Oberschulen und Gymnasien können das Lexikon bestellen­, ebenso Interessierte.

Anlässlich des Jubiläumsjahres der Veröffentlichung von Martin Luthers 95 Thesen ist beim Domowina-Verlag der Sammelband „Pjeć lětstotkow. Serbja a reformacija – Fünf Jahrhunderte. Die Sorben und die Reformation“ erschienen.

Die Herausgabe und wohl auch maßgebliche Redaktion oblag dem Sorbischen Superintendenten Jan Mahling. Für das zehnköpfige Autorenkollektiv wurden auch wissenschaftliche Autoren gewonnen, die nicht unbedingt aus der „Insider-Perspektive“ schreiben, beispielsweise Friedrich Pollack, Dr. Edmund Pech oder Dr. Ines Keller. Die Paritäten der insgesamt 20 Aufsätze sind dergestalt, dass die Hälfte auf das Ehepaar Mahling entfällt.

Einladung ins Bildgedächtnis der Lausitz

srjeda, 22. februara 2017 spisane wot:

Um es gleich zu Beginn zu sagen: Die zwei Bände „Wotmolowane – Mit Licht gemalt“ zur Fotografiegeschichte der sorbischen Ober- und Niederlausitz sind ein Muss. Wir haben hier ein zukünftiges Standardwerk vor uns, um das niemand, der beruflich mit der Kultur-, Geistes- und Sozialgeschichte der Lausitz und der Sorben befasst ist, herumkommen wird. Wir werden den hier gesammelten Fotografien in künftigen Lehrbüchern und Ausstellungen begegnen. Sie werden zentrale Quellen für das Schreiben und Reden über die Lausitz und den Weg ihrer sorbischen Bevölkerung in die Moderne sein. Sie werden sich aber auch für viele Jahre auf den privaten Geschenktischen in der Lausitz wiederfinden, denn sie sind historische Bilderbücher, wie man sie sich anschaulicher nicht wünschen kann. Es ist Jürgen Matschie nicht genug dafür zu danken, dass er diese Bilder (wieder)entdeckt, zusammengestellt und zugänglich gemacht hat. Diese zwei Bände sind innerhalb seines langjährigen Bemühens um die Fotografiegeschichte der Lausitz ein Höhepunkt.

„Die heilige Barbara“ in der Lausitz

srjeda, 25. januara 2017 spisane wot:

Auf dem Gelände der Energiefabrik Knappenrode befindet sich eine Gedenkstätte. Sie erinnert an die rund eintausend tödlich verunglückten Bergleute des Reviers. Symbolisch breitet hier eine heilige Barbara schützend ihre Hände aus, ein Nachguss der 1924 von Heinrich Moshage (1896-1968) für das Bergbauhaus in Senftenberg geschaffenen Bronze. Alljährlich am 4. Dezember, dem Namenstag der heiligen Barbara, findet in der Gedenkstätte des Museums eine Andacht statt. „Diese Tradition ist erst nach der Wende mit den Bergleuten aus den Altbundesländern in die Lausitz gekommen“, heißt es. Ist dem so? Die Energiefabrik Knappenrode ist dieser Frage nachgegangen. Die Antwort: Nein. Die Spuren der heiligen Barbara, Nothelferin und Beschützerin in der letzten Stunde, lassen sich auch in der Lausitz bis in das Mittelalter zurückverfolgen.

Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können. Viele Bautzener teilen ihre Erinnerungen mit dem Fotografen Rolf Dvoracek. Wie kaum ein anderer hat er über sechs Jahrzehnte das Leben und die Veränderungen in seiner Heimatstadt dokumentiert. Gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen, das machte wohl auch den großen Erfolg seiner diesjährigen Ausstellung im Museum Bautzen aus, die über mehrere Wochen verlängert werden musste. Und auch das Begleitbuch zur Ausstellung war schnell vergriffen. Dieses Buch mit kleinformatigen Fotos lieferte eigentlich nur die Erläuterungen zu den Fotografien, die großformatig in der Ausstellung zu sehen waren.

Nun finden sich etliche, aber nicht alle Bilder der Ausstellung in einem Bildband wieder. Dort spielen die Fotos erneut die Hauptrolle, die ihnen zukommt. Die sachkundigen, aber kurzgefassten Erläuterungen liefert die bekannte Denkmalpflegerin Christa Kämpfe. „Mein Bautzen“ heißt die Neuerscheinung aus dem Lusatia Verlag.

Milan Hrabals erstes Buch in deutscher Sprache

srjeda, 30. nowembera 2016 spisane wot:

Was haben Westdeutschlands Bürger in den zurückliegenden 67 Jahren aus Kreisen, die sich mit dem hohen „C“ schmücken, nicht alles erleben und erdulden müssen, wann hat sich die KOMMUNE jemals geschwisterlich ihrer Ursprünge erinnert und ihnen genähert, um einen Bund von Dauer zu wagen?

Die Bibliotheken der Menschheit horten einen riesigen Vorrat an Schriften, der Utopien nährt, menschliches Wissen mit Worten befördert. Allein die POESIE wird zur Herberge einer rational nicht fassbaren Unzerstörbarkeit.

Zu begrüßen ist ein Dichter aus der nächsten Nachbarschaft: Tschechien. Er heißt Milan Hrabal, wurde 1954 in Varnsdorf geboren, einer Grenzstadt im Dreiländereck Deutschland-Tschechien-Polen, wo sich die deutsch-sorbische Oberlausitz mit dem nordtschechischen Böhmen trifft.

„Bringen Sie Ihre eigene Lupe mit!“ Diesem heißen Tipp des Kurators Jürgen Matschie muss man nicht unbedingt Folge leisten, wenn man sich auf Entdeckungstour in die neue Sonderausstellung des Sorbischen Museums Bautzen begibt. „Wotmolowane – Mit Licht gemalt“ ist ihr Titel, und zu entdecken gibt es eine Menge auf den historischen Fotografien aus der sorbischen Lausitz von den Anfängen bis in die 1930er Jahre, wie es im Untertitel exakt heißt. Lupen gehören in diesem Fall zur Ausstattung der Schau selbst, und von ihnen Gebrauch machen muss man nicht, sollte man aber – da ist dem Ausstellungsmacher und Fotografiker zuzustimmen.

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